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Sabines Tagebuch 2012
Auf dem Mountainbike Kurs in London
100 Tage bis London/ 03.05.2012
(Foto: Ralf Schäuble)
Es ist nicht mehr weit bis zu dem Tag an dem das Olympische Mountainbikerennen der Damen gestartet wird. Heute sind es noch genau 100 Tage, dann wird um 11 Uhr Ortszeit der Startschuss zum wichtigsten Rennen des Jahres fallen. Auch wenn ich im Allgemeinen eher die Ruhe selbst bin, spüre ich schon jetzt ein leichtes Kribbeln beim intensiven Gedanken daran. Es ist ein schönes Kribbeln….und ich freue mich auf diese Highlight meiner schon länger währenden Mountainbike-Karriere. Die Freude kommt auch aus dem Gefühl heraus, auf dem richtigen Weg zu sein und den festen Glauben zu haben es nochmals schaffen zu können, nochmals um die so seltenen Olympischen Medaillen mitfahren zu können. Die Vorzeichen sind andere als vor vier Jahren. Ich war damals Europameisterin, Vize-Weltmeisterin und auf Rang 2 der Weltrangliste, so dass eine Olympische Medaille für Öffentlichkeit fast schon eine logische Konsequenz war. Für mich persönlich ist Ausgangslage jedoch ziemlich identisch, ja vielleicht sogar noch besser.

100 Tage sind nicht mehr allzu lange, aber doch noch lange genug um mit maximaler Konzentration auf dieses Ziel hinzuarbeiten und die Olympiaform aufzubauen. Allerdings dauert dieser Prozess ja auch schon länger und im Grund genommen ist die Bestform ohnehin immer ein Resultat von mehreren Jahren Arbeit. Wenn ich 100 Tage zurückblicke – oder vielleicht noch ein paar Tage mehr – ist der Saisonaufbau bisher sehr gut verlaufen. Von Dezember, über Januar bis hin zu den ersten Wettkämpfen auf Zypern im Februar verliefen sportlich sehr gut. Frei von Beschwerden und Infekten – sieht man mal von der hartnäckigen Erkältung ab die mich im Februar/ März nervte – konnte ich mich sehr gut auf die Trainingsinhalte konzentrieren. Ok beim ersten Weltcup war ich dann noch nicht ganz soweit wie ich ursprünglich sein wollte, aber mit Rang 7 war ich auf Tuchfühlung zur Spitze, auf einem Kurs der meinen Fähigkeiten nicht unbedingt entgegen kam. Das war Bestätigung und Motivation zugleich mit dem Fazit alles im Plan. Beim zweiten Weltcup in Houffalize war ich von meinem persönlichen Gefühl her schon ein Stück weiter auch wenn sich das am Ende nicht im Ergebnis – Platz 22 – widergespiegelt hat. Das Podium schien zumindest in Reichweite. Nach dem Defekt habe ich dann leider nicht mehr wirklich ins Rennen zurückgefunden. Es ist schwierig, sich auf einem solch harten Kurs nochmals 100%ig zu motivieren, alles aus dir herauszuholen, wenn der Zug schon abgefahren ist. Die Kälte tat sein übriges dazu. Sicher schade – zumal ich die Weltranglistenpunkte sehr gut hätte gebrauchen können. Das ursprünglich gesetzte Ziel aus Reihe 1 ins Olympische Rennen gehen zu können wird schwierig umzusetzen sein. Es war ohnehin schon ambitiös in Anbetracht dessen, dass ich die schlechte Platzierung im UCI Ranking vor allen dem 2 Halbjahr 2011 zu verdanken habe. Genau diese Resultate bleiben mir aber bis zum Stichtag 31.07. erhalten, während das erste Halbjahr 2011 gestrichen wird. Man muss sich auch die Frage stellen ob Nutzen und Aufwand im richtigen Verhältnis stehen. Die Jagd nach Punkten darf nicht zu Lasten einer optimalen Vorbereitung gehen. Es ist ja nicht so, dass am aus Reihe zwei keine Chance mehr hätte, auch wenn die örtlichen Gegebenheiten eine schwierige Startphase auf dem „Retorten“-Kurs von London versprechen.
Vor ein paar Tagen war ich in London um die letzte Möglichkeit auf dem Olympia-Kurs – 60 km östlich von London am Nord-Ufer der Themse gelegen – zu trainieren und auch zu testen. Es war gut sich die Schlüsselstellen nochmals sehr genau anzusehen. Seit dem Testrennen im Juli 2011 sind auch nochmals ein paar knifflige Passagen dazugekommen. Ja die Runde hat es in sich. In Teilabschnitten sehr technisch, wo eine sauber Linie notwendig ist um defektfrei und schnell durchzukommen. Ansonsten keine Erholungsmöglichkeit, so dass es im Renntempo unheimlich hart werden wird, zumal wohl das halbe Feld zu Recht als potentielle Medaillen- Kandidatinnen gelten dürfen.
Wir werden sehen…die nächsten Tage und Wochen werden sicher im Fluge vergehen bis es dann in 100 Tagen. heißt „15 Sec. To the Start“

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 Gute Stimmung im Team, im Aldiana Zypern vor dem ersten Rennen des Jahres
Saisonstart/ 17.02.2012
(Foto: Ralf Schäuble)
„Es geht los“… Nach etlichen Trainingskilometern starte ich am nächsten Wochenende auf Zypern – wo sonst – in die neue Saison. So früh wie noch nie werde ich am Sonntag mein erstes Rennen 2012 bestreiten. Das Training verlief bisher wunschgemäß. Sowohl auf Zypern im November, Südafrika im Januar und den Kanarischen Inseln zuletzt konnte ich das Training-Programm wie geplant umsetzten. Dabei ging es darum bewährtes zu bewahren und auch neue Reize zu setzten. Vom Gefühl her ist mir das ganz gut gelungen. Dabei ist sicher der lange Südafrika Aufenthalt hervorzuheben. Es war eine unbekannte Größe dort seine Trainingszelte aufzuschlagen auch wenn man durchweg Positives im Vorfeld gehört hatte. Trotzdem ist das stets sehr subjektiv und muss nicht für jeden das Richtige sein. Für mich hat es glaube ich ganz gut funktioniert, Die Hitze war teilweise wirklich extrem, aber dass mir das eher entgegenkommt, als das es hinderlich ist wusste ich schon vorher. Positiv überrascht war ich vom Trainingsgebiet. Klar das Straßennetz ist nicht vergleichbar mit dem Hochrhein oder auf Zypern. Und wenn ich ehrlich bin hasse ich lange, breite und kerzengerade Strassen so wie man sie in der Kap-Region nun mal hat. Aber ich konnte mich damit arrangieren. Letztlich ist vieles einfach eine Frage der Einstellung. Der Standort Stellenbosch ist ideal. Vor allem wenn man auch Mountainbike-Kilometer sammeln will. Ein wirklich cooler Bikepark bot beste Trainingsmöglichkeiten. So war es möglich alle Facetten des Mountainbike-Sport zu trainieren.
Eine echtes Fragezeichen – vielleicht das Größte - waren neben dem Traininggebiet das sonstige Umfeld. Man hört viel aus Südafrika was soziale Gegensätze und Kriminalität angeht. Das war schon eine ganz neue Erfahrung und ist wirklich der einzige negative Aspekt. Für uns sind die dortigen Verhältnisse wirklich befremdlich. Auf der einen Straßenseite Luxus Shops und auf der anderen Seite Hütten wo tatsächlich Menschen hausen. Das ist krass. Gewiss in der Innenstadt von Stellenbosch – generell eine sehr gut Wohngegend – merkt man davon wenig bis nichts. Aber wenn man mit dem Bike unterwegs ist sieht man viel. Mann muss auch akzeptieren, dass man nicht überall bedenkenlos hinfahren kann. Auch wenn ich selbst jetzt nie das Gefühl hatte mich auf gefährlichem Terrain zu bewegen, darf man die Situation nicht unterschätzen. Einmal wollte ich eine Abkürzung nehmen über eine Dirtroad. Nach etwas 1 Kilometer kam mir die Polizei entgegen, stoppte mich und gab mir den Rat lieber einen anderen Weg zu nehmen, da der eingeschlagene geradewegs in ein „coloured aerea“ führt. Die Einheimischen Weißen und Schwarzen sehen das Problem gar nicht wirklich. Für sie ist das das normalste der Welt.
Südafrika war eine schöne Erfahrung und ich kann mir gut vorstellen auch in den nächsten Jahren dorthin wieder einmal zurück zu kehren. Ich glaube da gibt es noch sehr viel zu entdecken, besonders vielleicht auch wenn das sportliche nicht mehr so sehr im Vordergrund steht.
Zurück zum Saisostart. Ich bin gespannt was das insgesamt positive Gefühl wert ist. Wir sind ja noch früh im Jahr. Insofern kann man das auch ganz entspannt auf sich zu kommen lassen. Das Konkurrenzumfeld scheint auf jeden Fall so stark wie noch nie zu sein. Eine olympische Saison eben. Da geht es für alle um Qualifikation, Nationenstartplätze und natürlich auch schon jetzt einfach um das olympische Rennen. Aber auch das hatten wir alles schon mal. Spannend ist es trotzdem noch.

Bis bald
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